Was ist natürliches Hören?

Natürliches Hören ist eine der größten Leistungen unseres Körpers. Der Vorgang ist so komplex, daß bis heute nicht alle damit verbundenen Prozesse erforscht werden konnten. Dementsprechend hoch sind auch die Anforderungen, wenn wir Ihre Hörsysteme so anpassen, daß Sie möglichst wieder natürlich hören können.

 

Am leichtesten lässt sich der "mechanische" Teil des Gehörs erklären: Das äußere Ohr sorgt mit dem MIttelohr für eine Umwandlung der Schallwellen in mechanische Energie. Dabei wird das ankommende Signal bis zu 1,3-fach verstärkt. Gibt es in diesem Schalleitungsteil einen Schaden, kann dieser in den meisten Fällen operativ behoben werden. Nur selten ist hier eine Versorgung mit Hörsystemen notwendig.

 

Ab der Hörschnecke wird es richtig komplex. Denn hier werden die mechanischen Schwingungen in elektrische Signale umgewandelt und über die Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet. In der Hörschnecke und bei der Signalverarbeitung treten die häufigsten Störungen un/oder Schädigungen auf, die wir jedoch meist mit Hörsystemen ausgleichen können. Dieser Teil der Verarbeitung wird als Schallempfindungsanteil bezeichnet und ist der weniger tief erforschte Bereich. Um herauszufinden, wo Ihre Hörbeeinträchtigung entsteht und ob es sich um einen Schallempfindungs- oder Schalleitungsschaden handelt, messen wir Ihre Hörfähigkeit und prüfen, inwieweit Ihre Gehörleistung von der durchschnittlichen abweicht.

 

Natürliches Hören ohne Einschränkungen entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Funktionen. Je nach Hörverlust sind diese mehr oder weniger stark beeinträchtigt:

  • Stereohören umfasst alle Funktionen, die das Gehirn ausschliesslich mit beiden Ohren umsetzen kann. Viele der nachfolgend genannten Funktionen sind Beispiele dafür. Fällt ein Ohr aufgrund eines Hörschadens komplett aus, sind einige dieser Funktionen nicht mehr existent, z.B. das Richtungshören.
  • Dank Richtungshören können wir Geräusche bis auf 3 Grad genau in der Richtung bestimmen. Richtungshören verlangt das Zusammenspiel beider Ohren. Entscheidend ist zum einen die Trichterfunktion der Ohrmuschel, zum anderen die zentrale Signalverarbeitung im Gehirn. Hier werden die Signale von rechtem und linkem Ohr zusammengeführt und ausgewertet.
  • Entfernungshören setzt Schalleindrücke und Abstände in Beziehung zueinander. diese Funktion des Gehörs ist nicht angeboren, sondern ein individueller Erfahrungswert. der uns den ungefähren Abstand zu einem Geräusch definieren lässt.
  • Die zentrale Signalverarbeitung im Gehirn hat noch weitere sehr wichtige Funktionen, wie etwa aktiv und passiv Signale auszublenden, zu selektieren und aus einer Menge herauszufiltern. Diese Funktion beschreiben wir als selektives Hören.
  • Adaptives Hören ermöglich es, daß sich unsere Ohren an unterschiedlich laute Geräusche selbständig anpassen. Das ist zum Beispiel bei sehr lauten Live-Konzerten mit über 90dB möglich.